{"id":511,"date":"2018-12-08T22:09:24","date_gmt":"2018-12-08T22:09:24","guid":{"rendered":"https:\/\/bswv-sn.de\/WordPress_04\/?p=511"},"modified":"2018-12-27T13:37:12","modified_gmt":"2018-12-27T13:37:12","slug":"dialog-im-dunkeln","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.bswv-sn.de\/?p=511","title":{"rendered":"Dialog im Dunkeln"},"content":{"rendered":"\n<p>Die FS61 und FGS62 waren im Rahmen des PP-Unterrichts in Hamburg im Dialoghaus.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Erfahrungsbericht:<\/p>\n\n\n\n<p>Zugegebener Ma\u00dfen bin ich sehr leichtgl\u00e4ubig an die ganze Sache herangegangen. Es war in meiner Vorstellung eher ein Tag in Hamburg, den man zum Essen gehen und Kaffeetrinken nutzt und nebenbei halt kurz noch f\u00fcr die Schule ein, zwei Stunden etwas mit sich machen l\u00e4sst. Doch mein Bild von diesem Tag sollte sich noch wandeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Als wir ankamen und feststellten, dass wir erstmal eine Stunde warten m\u00fcssten, also auch eine Stunde mehr \u201egezwungenen\u201c Kram machen mussten, war meine Laune ehergedr\u00fcckt. Die Spiele im Vorraum jedoch lie\u00dfen meine Neugierde steigen und ich realisierte zum ersten Mal, dass ich in einigen Minuten nicht mehr die M\u00f6glichkeit haben werden w\u00fcrde, einfach meine Augen zu \u00f6ffnen und alles wieder im gewohnten Licht zu sehen. Die Stunde, die am Anfang noch f\u00fcr Ern\u00fcchterung gesorgt hatte, wurde eine sehr lustige, die viel schneller umging als erwartet.<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz kurz bevor sich unsere Gruppe zu den beiden, scheinbar blinden, M\u00e4nnern begab, kam in mir sogar ein Gef\u00fchl von Nervosit\u00e4t auf. Als wir auf die M\u00e4nner zugingen, wusste ich nicht ganz wie ich mit ihnen umgehen sollte und fragte mich, ob siedie Unsicherheiten der Gruppe irgendwie wahrnahmen. Um mir diese Frage zubeantworten, versuchte ich mich, mehr oder weniger erfolglos, in sie hinein zuversetzen. <\/p>\n\n\n\n<p>Dann ging es auch schon los. Sie fragten uns nach unserem Befinden und es war zu Beginn ein merkw\u00fcrdiges Gef\u00fchl beim Sprechen nicht angeguckt zu werden. Sie erkl\u00e4rten uns was gleich auf uns zukommen w\u00fcrde, wiesen uns an, einen Langstock zu nehmen und schickten uns um die Ecke bis zu einer T\u00fcr. <\/p>\n\n\n\n<p>Mein Herz begann nun wirklich etwas schneller zu schlagen, denn meine Orientierung war ohnehin nicht die Beste. Der erste Satz unseres Gruppenleiters \u201eWer nichts sagt, ist nicht da.\u201c verwirrte mich zun\u00e4chst. Als sich jedoch die T\u00fcr hinter unsschloss, wusste ich genau was er meinte. Nun umgab mich die v\u00f6llige Finsternis.<\/p>\n\n\n\n<p>Es \u00fcberkam mich ein noch nie dagewesenes Gef\u00fchl. Eine seltsame Mischung aus Hilflosigkeit, Neugier und Orientierungslosigkeit. Ich hatte das Gef\u00fchl in einem riesigen schwarzen Loch zu sein. Als w\u00fcrde mich ein riesiges Nichts umgeben. Ich versuchte mich auf dieses Gef\u00fchl einzulassen, zu versuchen, es zu akzeptieren und sogar zu genie\u00dfen. Das klappte auch ganz gut, bis man ganz kurz nichts h\u00f6rte oder jemanden vor sich sp\u00fcrte. Dann schlug es in Angst, fast Panik um. Ich konnte mir zum aller ersten Mal so lebendig vorstellen, wie sich blinde Menschen f\u00fchlen. Das Wissen, dass diese, f\u00fcr mich so \u00fcberw\u00e4ltigende (nichtunbedingt im positiven Sinne) Realit\u00e4t sie dauerhaft umgibt, war meine Erkenntnis des Tages. Umso beeindruckter war ich von der Positivit\u00e4t und Heiterkeit unseres Gruppenleiters.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit diesemTag kann ich die Welt mit anderen Augen sehen bzw. nicht sehen. Ich frage mich oft in meinen allt\u00e4glichen Situationen wie Blinde diese bew\u00e4ltigen w\u00fcrden. Mir f\u00e4llt dann meist kaum eine L\u00f6sung ein, was meine Anerkennung daf\u00fcr, dass diese Menschen trotzdem rausgehen, arbeiten und einkaufen gehen, noch weiter steigen l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin sehr dankbar f\u00fcr diese unglaubliche Erfahrung und hoffe, durch mein tieferes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Realit\u00e4t dieser Menschen, bei dem Prozess, sie vollkommenin unsere Gesellschaft einzugliedern, besser helfen kann und besser wei\u00df, wieich mit ihnen in meinem Alltag umgehen kann.<\/p>\n\n\n\n<p><br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die FS61 und FGS62 waren im Rahmen des PP-Unterrichts in Hamburg im Dialoghaus. Ein Erfahrungsbericht: Zugegebener Ma\u00dfen bin ich sehr leichtgl\u00e4ubig an die ganze Sache herangegangen. 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